Dirk Maxeiner 31.01.2006 13:22 +Feedback
Hungern mit Hipp
In der heutigen Ausgabe von „DIE WELT“ findet sich ein Interview mit dem Babykost-Hersteller Claus Hipp.
http://www.welt.de/data/2006/01/31/838823.html
Der Manager ist Vorzeigefigur der Biokost-Branche, weil er Produkte aus dem Ökolandbau verwendet. Es gibt zwar keinen wissenschaftlichen Nachweis, dass Ökokost für den Menschen gesünder ist als konventionelle Ware, das braucht es aber auch nicht, weil der ökologistische Glaube allemal stärker ist als irgendwelche Fakten. Hipp hat darauf eine prima Geschäftsidee aufgebaut, wogegen absolut nichts zu sagen ist. Fragwürdig wird die Haltung des bekennenden Katholiken nur, wenn er mit Greenpeace-Parolen gegen die grüne Gentechnik zu Felde zieht.
Frage des Interviewers „Was ist Ihr Problem mit genveränderten Lebensmitteln?“ Antwort von Claus Hipp: „Es gibt viele Gründe: Die Folgen sind nicht abzuschätzen, konventionelle Pflanzen können beeinflußt werden. Wir brauchen gentechnisch veränderte Produkte nicht, um große Mengen herzustellen.... Außerdem ist es historisch gesehen völlig absurd: In den vergangenen 150 Jahren hat der Mensch dramatische Veränderungen im Boden verursacht, die den Pflanzen Probleme bereiten. Doch statt den Boden in den natürlichen Zustand zurückzuversetzen, verändert man nun die Pflanzen, damit sie mit den Veränderungen im Boden zurechtkommen. Das ist doch der völlig falsche Weg.“
Was der gute Mann verschweigt: Alleine in den letzten 50 Jahren kamen rund drei Milliarden Menschen zur Erdbevölkerung hinzu. Die "grüne Revolution" der 60er-Jahre mit ihren neuen Pflanzensorten, intensiven Anbaumethoden und gewaltigen Ertragssteigerungen verhinderte, dass viele davon verhungerten. Der Vater der „grünen Revolution“, der Agrar-Spezialist Normann Borlaug, erhielt dafür den Friedens-Nobelpreis. Mit den von Herrn Hipp favorisierten landwirtschaftlichen Methoden wären bereits in den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts hunderte von Millionen Menschen verhungert.
In den nächsten 50 Jahren werden noch einmal zwei Milliarden Menschen hinzukommen. Auch diese können nur mit einer weiteren Ertragssteigerung auf den vorhandenen Flächen ernährt werden - es sei denn man möchte auch noch den letzten Quadratmeter wilder Natur unter den Pflug nehmen. Heute schon könnten neue gentechnische Sorten, wie der von deutschen Forschern entwickelte „goldene Reis“ hunderttausende Kinder vor Mangelernährung, Krankheit und Tod retten. Siehe: http://www.maxeiner-miersch.de/standp2004-06-23a.htm und http://www.welt.de/data/2005/04/05/621872.html .
Wie heißt es so schön auf der Homepage von Herrn Hipp: „Wenn es um die Gesundheit unserer Kleinsten geht, sehen wir keinen Platz für Kompromisse. Dafür stehe ich mit meinem Namen.“ In den Ohren von Müttern aus armen Ländern dürfte dieser Satz vollkommen anders klingen: Nämlich wie Gutmenschentum nach Gutsherrenart. Auch dafür steht Herr Hipp mit seinem Namen.
