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Auslese



  24.04.2015   13:48   Leserkommentare

Wir sind schuld!

Wenn Sie derzeit in Deutschland punkten wollen, sei es bei Günther Jauch im Fernsehen oder bei einem Nachtmahl in einem Sterne-Restaurant, dann müssen Sie nur sagen: „Wir sind schuld!“

Wir sind schuld, dass Millionen von Afrikanern aus Afrika flüchten – weil wir deren Fischbestände leergefischt haben. Wir sind schuld, dass Tausende im Mittelmeer ertrinken, weil wir uns abschotten und Europa zu einer Festung ausgebaut haben. Wir sind schuld an den Zuständen in Somalia, am Bürgerkrieg in Syrien, am Zerfall Libyens, an den vielen Toten im Irak – weil wir uns überall einmischen. Oder weil wir uns eben nicht einmischen und den vielen Menschen, die uns kommen wollen, nicht helfen, dem Elend in ihrer Heimat zu entkommen.

Nun, es mag etwas dran sein, dass „wir“ uns besser im Irak und im Libyen rausgehalten hätten. Dann...

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Kategorie(n): Inland 


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  24.04.2015   07:00   Leserkommentare

Vom Ende des Getrommels

Von Marko Martin

Nach der angemessenen Nachruf-Pietät ein nicht minder notwendiges Résumé: Schliesslich starben mit Günter Grass und Eduardo Galeano in diesem Monat zwei Intellektuelle, die jahrzehntelang debattenprägend waren in Europa und Lateinamerika.

Wobei gerade Galeanos Einfluss auf gleich mehrere Generationen noch grösser gewesen sein dürfte: Sein 1971 erschienenes Buch «Die offenen Adern Lateinamerikas» wurde geradezu zum kanonischen Text eines Drittwelt-Engagements, das genau wusste, wo die Schuldigen sitzen für die Misere der sogenannten «armen Länder» – selbstverständlich in Washington, New York und in den anderen westlichen Metropolen. Während dagegen Grass im Jahre 1968 die schrille Revoluzzer-Rhetorik der zumeist bourgeois sozialisierten Studenten noch luzid kritisiert hatte und in seinem 1972...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 


  22.04.2015   15:07   Leserkommentare

Miss Budoff Brown und die Nierensteine des Jean-Claude Juncker

Beim Stichwort Washington denkt der Fernsehzuschauer heutzutage an «House of Cards», die viel gelobte Fernsehserie um den skrupellosen Kongressabgeordneten Frank Underwood. Fällt dagegen das Wort «Brüssel», kommt ihm nach längerem Nachdenken vielleicht Rolf-Dieter Krause in den Sinn, ein schnauzbärtiger ARD-Korrespondent, der seit nunmehr 14 Jahren vom EU-Hauptsitz berichtet – und dies gerade so kritisch, wie es das grosse Ziel der europäischen Einigung eben noch zulässt.

Die Mission, auf die sich «Politico» eingelassen hat, ist also keine einfache: Gestern hat das amerikanische Magazin zusammen mit seinem Partner, dem Axel-Springer-Verlag, eine europäische Ausgabe gestartet: politico.eu.

In Amerika gibt es «Politico» seit 2007; damals gründete der Washingtoner Verleger Robert Albritton zusammen mit Ex-Mitarbeitern...

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Kategorie(n): Inland  Ausland  Kultur 


  22.04.2015   07:00   Leserkommentare

Doktor Merkels Glückstherapie

Wenn die Regierenden das Glück der Menschen beschwören, sollte man auf der Hut sein. Vor gut einer Woche hat die Bundeskanzlerin – gemeinsam mit ihrem Vizekanzler – in der deutschen Hauptstadt einen sogenannten „Regierungsdialog“ gestartet. „Gut leben in Deutschland – was uns wichtig ist“ laut die Überschrift des Vorhabens. Mit „uns“ sind die Bürger gemeint. Die Regierenden bekunden, dass sie nun endlich wissen möchten, was den Bürgern wichtig ist. Das ist nett, aber auch ein bisschen überraschend. Eigentlich sollte man in einer parlamentarischen Demokratie mit Marktwirtschaft und unabhängiger Öffentlichkeit davon ausgehen, dass die Regierenden genügend Gelegenheit haben, den Bürgerwillen zu erfahren. Wie hat die Kanzlerin, die ja schon ein paar Jahre im Amt ist, eigentlich bisher regiert? „Wir sind...

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Kategorie(n): Inland 


  20.04.2015   00:57   Leserkommentare

Aus gegebenem Anlass: Die Grass-Show ist vorbei

Grass ist nicht nur ein überschätzter Literat, er ist eine sozialdemokratische Endmoräne, der letzte Rest der Bonner Republik, in der vor allem Autoritäten gefragt waren, weit mehr als heute auf der Berliner Bühne. Und Grass war schon immer ein autoritärer Knochen, auch als er 1969 mit der Parole “Ich rat Euch, SPD zu wählen” durch das Land zog. Das war kein Rat, keine Empfehlung, es war ein Befehl. Als er dann zwanzig Jahre später für ein paar Monate nach Kalkutta zog, tat er das mit der Begründung, es werde ihm in Deutschland nicht genug “Respekt” gezollt.

Zur Erinnerung daran, dieser Text von 2012: http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article106160221/Ein-autoritaerer-Knochen-spielt-verfolgte-Unschuld.html

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Kategorie(n): Kultur 


  19.04.2015   15:00   Leserkommentare

Föderalstaatlicher Weckruf aus Karlsruhe

Auch vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe erleben Kläger wie Beklagte manchmal merkwürdige Volten: Die Anhörung über das umstrittene Betreuungsgeld sorgte diese Woche für große Überraschung. Die Richter ließen mehr als deutlich erkennen, dass sie das Ge-setz voraussichtlich aus einem formellen Grund scheitern lassen: an der Zuständigkeitsfrage. Der Bund habe keine Gesetzgebungskompetenz, weil das Betreuungsgeld nicht „zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse im Bundesgebiet“ erforderlich sei. Damit scheint sich das Bundesverfassungsgericht die politisch und juristisch heiklere inhaltliche Prüfung, ob und inwieweit hier Grundrechte wie die Gleichbehandlung und der Schutz von Ehe und Familie tangiert werden, ersparen zu wollen. Prompt wurden die Richter vom wortgewaltigen Heri-bert Prantl in der...

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Kategorie(n): Wirtschaft 


  18.04.2015   07:00   Leserkommentare

„Kommt ein Protest zur falschen Zeit, besteht er nur aus Peinlichkeit“

Oho! In Tübingen gab es Protest. Wer macht denn so etwas?  Ich. Ich protestiere. Hiermit.

Das Stadtmuseum präsentiert noch bis Juli eine ungewöhnliche Ausstellung – genau gesagt eine Interventionsausstellung – mit dem Titel, „Protest!“ und dem Untertitel „Stricken, Besetzen, Blockieren – in den 1970/80er Jahren in Tübingen.“

Für mich hieß das: Nichts wie hin. Schließlich war ich live dabei. Beim Protest – nicht beim Stricken. Schon im ersten Raum überrumpelten mich die Erinnerungen; die Plakate des Club Voltaire begrüßten mich wie alte Freunde und ich dachte mir: Die Handschrift kenne ich doch. Richtig! Die Poster sind alle von dem unermüdlichen Aktivisten Eckard Holler beschriftet, als hätte er sie persönlich signiert.

Auf einem kleinen Bildschirm läuft ein Film, der Festival-Bilder zeigt, die mir...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 


  17.04.2015   09:36   Leserkommentare

Dexit: Der Ausweg aus dem Handelsüberschuss

Letzte Woche setzte ich mich an dieser Stelle mit der Kritik Ben Bernankes an Deutschlands exorbitant hohem Handelsüberschuss auseinander (Bernankes unausgegorener Vorschlag für Deutschland, 10. April 2015). Für manche Leser kam der Schluss vielleicht etwas überraschend: Mit seinem Handelsüberschuss würde Deutschland am besten fertig, wenn es die Eurozone verließe.

Dieses Mal möchte ich das Argument vertiefen. Ein deutscher Austritt aus der Eurozone würde nicht nur diesem Land die Währung bescheren, die es verdiente. Mit der verbleibenden Rumpfwährung hätte auch die übrige Eurozone eine gut an ihren Bedarf angepasste Währung.

Analysten der Investmentbank Morgan Stanley haben kürzlich ausgerechnet, welche Wechselkurse der jeweiligen Wirtschaftskraft einzelner Eurozone-Mitglieder angemessen wären. Insgesamt sehen sie den...

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Kategorie(n): Inland  Wirtschaft