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  20.03.2015   16:17   Leserkommentare (1)

Sonnenfinsternisgedanken

Das anorganische Geschehen hat etwas Beruhigendes. Nichts auf der Welt vollzieht sich mit solcher Zuverlässigkeit wie das Ballett der Gestirne im All. Eine Sonnenfinsternis verspätet sich nicht, hat keine Launen und ihre Dauer steht im voraus fest. Anders als bei einer medizinischen Operation muß man auch nicht um den Ausgang bangen. Wir sind heute, dank wissenschaftlicher Aufklärung, ein paar Ängste los. Doch sie kehren durch den Hintereingang wieder. Jetzt sind es die Sorgen um die Stromversorgung und ums Augenlicht, die das Fieber in die Köpfe bringen.

Bei den Schutzbrillen ließ sich das Fieber in Euro messen. Als die 20-Cent-Objekte aus Pappe und Folie letzte Woche knapp zu werden begannen, stieg ihr Preis – um im Bild zu bleiben – astronomisch. Erst ein Euro, dann zwei, dann acht, zum Schluß wurden im Internethandel 29...

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Kategorie(n): Kultur 

  18.03.2015   12:48   Leserkommentare (6)

Zuwanderung! Vielfalt! Eierkuchen!

«Migration wird in den Sozialkunde- und Geschichtsschulbüchern, teilweise auch in Geografieschulbüchern primär als konfliktträchtig und krisenhaft dargestellt», so das Georg-Eckert-Institut für internationale Schulbuchforschung in seiner am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie. Das ist natürlich unerhört und muß geändert werden. Migration ist ab sofort harmonisch und krisenfrei darzustellen. Migration ist aller Erfahrung nach das, was die Menschen am liebsten machen. Seit der Völkerwanderung heißen die Völker einander gegenseitig nur willkommen, und all die guten Gefühle, auf denen Migration beruht und welche sie erzeugt, sollten in den Sozialkunde- und Geschichtsschulbüchern vermehrt Niederschlag finden, beziehungsweise, wie es die Migrationsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özuguz (SPD) ausdrückt, „auf eine...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  16.03.2015   00:50   Leserkommentare (im Wartemodus)

Olympia 2024

Da nicht anzunehmen ist, daß der Grandiosflughafen Berlin-Willy-Brandtenburg-Horizontal auf die Schnelle, das heißt bis 2028 oder gar 24, fertig und eröffnet wird, bietet sich selbstverständlich eine Zwischennutzung als Olympisches Sommerspielfeld an. Nur wird man dann die zwölfeinhalb Milliarden Gäste, die aus dem Alphaquadranten erwartet werden, über Tegel einfliegen lassen müssen, und da könnte es ein bißchen eng werden. Also rechnet sich Hamburg gute Chancen aus, die Spiele zu bekommen, die andere deutsche Stadt, die nicht weiß, wohin mit ihrem vielen Geld. Hamburg ist immerhin von weither übers Wasser zu erreichen, und nicht von ungefähr gilt Schwimmen, im Gegensatz zum Fliegen, als olympische Disziplin.

Auf alle Fälle haben beide Städte große Erfahrung im Versemmeln und Vergeigen von Projekten im öffentlichen...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  09.03.2015   13:21   Leserkommentare (2)

Letzte Blicke

Auf die beliebte Small-Talk-Frage: ‚Was würden Sie tun, wenn Sie nur noch kurze Zeit zu leben hätten?‘ gibt es eine Menge Plapper-Antworten, deren Ernsthaftigkeit und Tiefe ungefähr auf dem Niveau eines Friseurgesprächs liegen. Unseren Vorstellungen vom Sterben mangelt es glücklicherweise an Realitätsgehalt. Das ist bei jenen Menschen anders, um die sich die niederländische Stiftung Wunsch-Ambulanz kümmert. Sie möchte todkranken Patienten einen letzten Wunsch erfüllen und kann zu diesem Zweck auf Hunderte von Helfern und einen Fuhrpark von Krankenwagen zurückgreifen.

Gerade ging ein Foto durch die Presse, das einen dieser Einsätze zeigt: Eine Frau wird auf einer Bahre liegend durch das Amsterdamer Rijksmuseum gerollt; sie ist an irgendwelche Versorgungsschläuche angeschlossen, das Kopfteil ist angehoben, sodaß sie ein...

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Kategorie(n): Kultur 

  06.03.2015   18:28   Leserkommentare (1)

Der mutlose Mann

Seit dem Rücktritt eines lebenden Papstes muß man von den Deutschen ja alles gewärtigen, was die Register der Bescheidenheit und Demut hergeben. Aber der Siegesverzicht des Sängers Andreas Kümmert hat dem Kanon öffentlicher Entsagungsgesten eine vielsagende Variante hinzugefügt. Es handelt sich um das Modell ‚Mutlosigkeit‘. Kümmert, mit dessen Namen keinen Scherz zu treiben man sich hier geradezu zwingen muß, macht zwar ziemlich großartige Musik, aber im Rampenlicht eine eher klägliche Figur. Die Glamour-Bühne des Eurovision Song Contest ist nicht seine Welt. Das war schon vor seinem Auftritt so offensichtlich, daß seine Wahl die eigentliche Sensation des Abends bildete.

Aber auch wieder nicht, denn wenn einst Guildo Horn mit fettigen Haarstähnen und hypnotischem Schmachtblick das deutsche Publikum für sich gewinnen...

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Kategorie(n): Kultur 

  02.03.2015   09:20   Leserkommentare (6)

Kultur! Güter! Katastrophe!

Die Terroraktionen des Islamischen Staats und ähnlich fanatischer Truppen wie Boko Haram sind von so exorbitanter Gräßlichkeit, daß wir uns in acht nehmen müssen, unser Gefühls- und Vernunft-Maß nicht zu verlieren. Da werden Menschen vor laufenden Kameras geköpft und bei lebendigem Leib verbrannt, halbe Dörfer werden hingemetzelt, es wird gekreuzigt und gefoltert, und es werden auch Kulturgüter zerstört. Das sagt sich so in einem Satz dahin, aber verbietet sich nicht eigentlich diese Aneinanderreihung, diese aufzählende Gleichstellung von Menschen und Material?

Kein Zweifel: die Empörung über die Zerstörung von Kulturgütern ist berechtigt, aber die Meldungen, die davon handeln, haben einen fatalen Beigeschmack. Es ist, als würde man den Holocaust vor allem unter dem Aspekt der Raubkunst betrachten – was in unseren...

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Kategorie(n): Kultur 

  26.02.2015   01:37   Leserkommentare (5)

Kirchenasyl - noch mehr rechtsfreie Räume

Was ist das für ein Rechtsstaat, in dem das Recht an manchen Ecken gilt und an anderen nicht? Oder wo es mal mehr und mal weniger gilt? Wo es am einen Ende mit Sicherheit gilt und am anderen nur vielleicht? Ein Rechtsstaat, so schockierend das klingt, muß total sein, sonst ist er kein Rechtsstaat, weil das Recht ein System ist, das sich nicht mit Lücken und Zufällen und Machtproben vereinbaren läßt. Die ganze Kunst der Juristerei besteht ja darin, dieses abstrakte System auf die Wechselfälle des wirklichen Lebens anwendbar zu machen. Das geht aber nicht, indem man das System fallweise aus den Angeln hebt und außer Kraft setzt. Sondern es geht nur durch Interpretationsarbeit innerhalb des Rechtssystems.

Trotzdem ist dem liberalen Denken die Vorstellung eines totalen Staats – auch eines totalen Rechtsstaats – ein Graus. Denn...

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Kategorie(n): Inland 

  18.02.2015   10:47   Leserkommentare (4)

Selbstkrankschreibung

Alle verantwortungsbewußten Arbeitgeber sind verzweifelt. Wie läßt sich verhindern, daß die deutschen Arbeitnehmer weiter Raubbau an ihrer Gesundheit treiben? Schon jetzt schleppen sich die meisten trotz Krankheit zum Dienst, man spricht von japanischen Verhältnissen, und nur dank dem energischen Einschreiten der deutschen Ärzteschaft werden wenigstens die schlimmsten Fälle am Arbeiten gehindert. Es muß ihnen förmlich per Attest verboten werden. Immerhin besteht diese Attestpflicht bei einem mehr als dreitägigen Unwohlsein, sonst ginge wahrscheinlich überhaupt niemand zum Arzt.

Es kann sein, daß in dieser kurzen Darstellung etwas durcheinandergeraten ist. Das wird sich jedenfalls zeigen, wenn die Vorschläge jener Magdeburger Wissenschaftler Wirklichkeit werden, die in einer Fristverlängerung für das Einholen eines...

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Kategorie(n): Inland