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08.09.2010   13:54

“My skin is yellow, my hair is long…”

...between two worlds I do belong”, besang Nina Simone einst eine gemischtrassige Frau. Die Haut meiner Tochter ist zwar nicht wirklich gelb, eher olivenfarben, aber ihr Haar ist lang und braun (in ihrer frühen Kindheit war es blond), ihre Augen sind grau-grün, und Fremde kommen selten auf den Gedanken, sie könnte eine “schwarze” Mutter haben. Als wir zum erstenmal mit ihr von den USA nach Deutschland flogen, sie war ein halbes Jahr alt, sagte eine meiner Tanten etwas enttäuscht: “Aber sie sieht ja so deutsch aus!” Meine Tante hatte wohl ein niedliches Negerpüppchen erwartet statt des hellhäutigen Blondschopfs. Und in Amerika wurde meine Frau, erschien sie ohne mich mit ihrer Tochter in der Öffentlichkeit, von Fremden des öfteren für ihre Nanny gehalten.

Aber wie sah und sieht sich unser Sprößling selber—als Kind, als Jugendliche, als junge Frau? Gestern hat sie diese Frage in einem Artikel auf den Punkt …

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26.08.2010   05:44

Only in America

Wir haben Besuch von Kathy und Max, einem Ehepaar aus Ohio; meine Frau drückte mit den beiden in längst entfleuchter Jugend die High School-Bank. Drei Wochen lang sind sie auf Ferienfahrt durch die Südstaaten gewesen; jetzt, am vorletzten Tag ihrer Heimreise, machen sie Halt bei uns in Virginia. Während wir mit ihnen in Charlottesvilles südafrikanischem Restaurant Shebeen sitzen und uns bei Wein aus Stellenbosch über Burenwürste und Zulusteaks hermachen, schildern sie ihre Erlebnisse. Zwar kennen wir die meisten Orte und touristischen Attraktionen, die sie besucht haben, aus eigener Anschauung, können mit den beiden jedoch nicht mithalten, wenn es ums Schmausen geht. Wo wir bei unseren Road Trips selten Risiken eingehen und uns meist mit vertrauten Kettenrestaurants wie Applebee’s, Bonefish Grill oder Texas Roadhouse zufrieden geben, erleben Kathy und Max gern kulinarische Abenteuer; die seien, sagen sie, im Google-Zeitalter weniger riskant als früher, da man heutzutage, bevor man bei einer Lokalgaststätte …

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14.08.2010   23:52

Abbey Lincoln ist tot

"I think about the life I lived / A figure made of clay...” Eine meiner Lieblingssängerinnen starb heute, eine Woche nach ihrem 80. Geburtstag, in New York: die Jazz-Chantreuse Abbey Lincoln. Sie war schön, klug, seit jungen Jahren kompromißlos engagiert in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung—und schrieb viele ihrer oft großartigen Songs selbst. Hier zunächst ihr Eintrag im deutschen Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Abbey_Lincoln
Und hier der ausgezeichnete Nachruf in der heutigen New York Times: http://www.nytimes.com/2010/08/15/arts/music/15lincoln.html
Im folgenden YouTube-Video singt sie in einer Steve Allen-Fernsehshow von 1957, als sie 27 Jahre jung war (Steve Allen war berühmt—bzw. unter Rassisten berüchtigt—dafür, daß er noch während der Segregationszeit schwarze Künstler ohne wenn und aber in seiner Show auftreten ließ): http://www.youtube.com/watch?v=ymADIxHsx40&feature=player_embedded#!
Und hier noch eine fantastische Gegenüberstellung von zwei Versionen ihres Songs “Throw It Away”—zunächst von 1980, live in Paris (von ihrer LP “Painted …

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12.08.2010   03:26

Sieh, das Gute liegt so nah: Wiener Blut in Wintergreen

"Wessen Musik war das eigentlich damals auf der Entbindungsstation?” frage ich meine Mutter per Skype über die paartausend Meilen hinweg, die uns trennen. Ich erinnere mich nur dunkel an die Geschichte, die sie mir früher öfters erzählt hatte—die Geschichte ihrer ersten Bekanntschaft mit klassischer Musik.

“Mozart”, erwidert sie. “Mozart, glaube ich. Es war wunderbar, auch wenn die Kopfhörer knisterten und krachten.”

“Kopfhörer? Es gab 1947 schon Kopfhörer im Krankenhaus?”

“Ja, Kopfhörer. Es war doch ein Vierbettzimmer. Anfangs traute ich mich nicht, sie aufzusetzen. Später lag ich die halbe Nacht wach und hörte schöne Musik.”

“Mozart also”, sage ich. “Wer noch? Beethoven vielleicht? Haydn? Wie war’s mit Johann Strauss? Franz Lehár? Emmerich Kálmán?”

“So genau weiß ich das nicht mehr”, sagt meine Mutter. “Mozart bestimmt. Alles andere kam danach.”

***

Manchmal liegt das Gute näher, als man …

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31.07.2010   06:37

FREE SAKINEH!

http://freesakineh.org/

Marina Nemat: The Power of Voices

From 1982 to 1984, I was a teenage political prisoner in Evin Prison in Tehran. I was tortured and raped and watched my friends suffer and many of them die. So many innocent young lives devastated or lost. But the world went on, as if nothing had happened. We felt abandoned and forgotten in Evin.

On Thursday morning, March 25, 2010, a beautiful sunny day, I stood in Auschwitz Concentration Camp in Poland and looked on a narrow road sandwiched between two rows of redbrick, two-storey buildings. Unlike the flimsy wooden barracks I had seen in other camps, these were well built and looked quite sturdy. Many tour buses were parked in the parking lot, and there were tourists from all ages and nationalities everywhere. I was on a trip organized by the Friends of …

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29.07.2010   17:45

Der Mann, der Chruschtschow und Nixon in Raserei versetzte: Shiva für Daniel Schorr

Vergangenen Freitag starb in Washington Daniel Schorr, der große alte Mann des politischen Kommentars im amerikanischen Rundfunk und Fernsehen. Seine feste Stimme und seine klugen Reflektionen hatten mich seit Jahrzehnten begleitet, hatten mich oft mit ihren scharfsinnigen Beobachtungen überzeugt und, soweit ich mich erinnere, nie mal so richtig auf die Palme gebracht, was was heißen will. Meine Frau kann bezeugen, daß ich am Steuer gerne inbrünstig Positionen verfluche, die ich für bescheuert halte, und dabei umso zorniger reagiere, je näher mir ein “Meinungsmacher” politisch steht. (Während ich bei “rechtem” Blödsinn vielleicht nur mitleidig “Idiot” vor mich hin murmele, denn ich hab ja nichts anderes von der Knallcharge erwartet, brause ich bei “linkem” oder “liberalem” Quatsch leicht auf und schreie auch schon mal die Windschutzscheibe an oder geb dem Lenkrad eine Watschen.)

Radio höre ich fast ausschließlich im Auto, fast immer auf einem mit NPR (National Public Radio) affiliierten …

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24.06.2010   09:58

Prinz Eisenarsch, oder: Auf heißem Ofen durch Amerika

Ich sitze bei meiner Tochter im Garten auf der Terrasse und studiere Straßenkarten, gebe Zwischenstationen in den GPS-Navi ein. Vergangenen Sonntagmorgen um vier kam ich hier an, und seitdem genieße ich nicht nur das trockene sonnige Wetter von Greeley, Colorado, auf der hohen Prairie am Fuße der Rocky Mountains, sondern lasse mich dazu kulinarisch verwöhnen. Wer hätte gedacht, daß aus dem sich von gefrorenen Würstchen und rohen Gemüsegurken ernährenden Kind, dem noch als Teenager Kochlöffel fremdere Werkzeuge waren als Schraubenschlüssel, eine begnadete Hobbyküchenmeisterin würde?

Aber morgen soll es mit dem Faulenzen vorbei sein, da mache ich mich wieder auf die Räder heim nach Virginia. Allerdings möchte ich mir für die etwa zweieinhalbtausend Kilometer doppelt soviel Zeit nehmen wie auf der Hinfahrt und vor allem, sollte ein Nachmittagsgewitter dräuen, mich kurzerhand in einem Motel verkriechen dürfen. Auf der Hinfahrt konnte ich mir solchen Luxus nicht leisten, denn ich war …

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25.05.2010   08:28

Schlaflos in Seattle, oder: Wie mir Mißtöne bei Apples iPad die Nachtruhe raubten

Früher Morgen an der amerikanischen Westküste. Draußen dämmert es gerade, und genügend graues Licht fällt durch die Jalousienschlitze, daß die Umrisse des Hotelzimmers in mein unwillig erwachendes Bewußtsein dringen. Die roten Leuchtziffern der Radiouhr auf meinem Nachttisch haben eben die Fünf übersprungen, und ich stelle mir vor, wie zuhause in Virginia – drei Stunden im Zeitvorsprung –durch die Talsohle unter unserem Haus der Schulbus vorüberrauscht. Wie ist wohl heute das Wetter daheim? Ich lange nach meinem neuesten Spielzeug, einem iPad 64 mit Wifi und 3G, und erfahre binnen Sekunden, daß es dort in Strömen regnet.  Köln, vermittelt der Tafelcomputer vom Internet, ist ebenfalls naß; eine Kamera in der Nähe des Doms, auf die ich im Yahoo-Server unter meinen „Favorites“ Schnellzugriff habe, bestätigt dies aus der Vogelperspektive mit einem erst wenige Sekunden alten Bild.

Ich trage das Bildschirmtablett, diese überdimensionale iPhone-Kopie, hinüber in den Wohnbereich, um meine Frau nicht …

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