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  12.02.2015   14:01   Leserkommentare (1)

Vorsicht vor den Finnen! Mit oder ohne Alkohol.

Silvis Culture Club (78)

Vor finnischen Männern wird gewarnt. Immer wieder, online und offline. Sie sollen viel trinken, zu viel, viel zu viel. Und dann wissen sie nicht mehr, was sie tun. Da hilft dann auch Schuhgröße 45 nichts mehr. Die hat Aulis Rävänder, der Held des neuen Romans von Arto Paasilinna („Der Mann mit den schönen Füßen“, 240 Seiten,18,99 Euro). Rävänder ist Reeder, wohlhabend, er hat eine Frau, zwei Kinder und eine tolle Wohnung in Helsinki – und eines Tages ist alles futsch. Die Gattin hat einen Liebhaber, der auf das schöne Nest spekuliert und sie möchte sich scheiden lassen. Für Aulis Rävänder ist das, wie für viele Männer – Alkohol hin, Alkohol her – eine große Überraschung. Dass er schöne Füße hat erfährt er erst, als er bei der Telefonseelsorge anruft. Er verwählt sich und landet...

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Kategorie(n): Kultur 

  02.01.2015   22:31   Leserkommentare (im Wartemodus)

Silvis Culture Club (77): Friss, Kunde – oder geh’ zu Fuß!

Ich sitze im Zug und schreibe und bin sehr, sehr unzufrieden. Ich wollte einen Sitzplatz im Ruhebereich, kein Gegenüber, Gang. Eigentlich ein harmloser Wunsch, sollte man meinen. Jetzt sitze ich am Vierertisch, gegen die Fahrtrichtung, gegenüber fremde, plappernde Gesichter. Ich hasse es, wenn mir fremde, plappernde Gesichter gegenüber sitzen, aber als DB-Kundin habe ich leider keine Möglichkeit, das zu ändern. Nachdem ich die offerierten Sitzplatzmöglichkeiten angeklickt hatte, spuckte der Computer eine gänzlich andere Sitzplatzvariante aus. Ohne Erklärung, ohne Entschuldigung, ohne Angebot einer Änderungsvariante. Friss, Kunde – oder geh zu Fuß! Gleich werden die plappernden Gesichter ihre Wurst- oder Käsebrote auspacken und schmatzen – spätestens dann ist mein Bedarf an menschlicher Gesellschaft gedeckt (diesmal ist es...

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Kategorie(n): Kultur 

  23.12.2014   09:12   Leserkommentare (im Wartemodus)

Im Rausch der Buchstaben – Seien Sie vorsichtig mit Schnaps!

In der Reihe Silvis Culture Club (76).

„Seien Sie vorsichtig mit Schnaps“, lautet ein Ratschlag aus einem kleinen roten Büchlein aus dem Jahr 1944. Es sind die „Instructions for British Servicemen“, ein Benimmbuch für britische Soldaten in Deutschland, das Kiepenheuer & Witsch neu aufgelegt hat (118 S., acht Euro). Wie sollte man mit den Deutschen umgehen? Was konnte man ihnen als Ausländer glauben? Die Alliierten mussten bei ihrem Einmarsch in das besiegte Nazi-Deutschland irgenwie mit den Einheimischen kommunizieren – und so ließ das britische Außenministerium 400.000 dieser Büchlein verteilen. Es ist ein Benimmbuch und der Versuch, ein wenig in die deutsche Seele zu blicken. Vergeltung sollte nicht geübt werden, aber man wollte sicherstellen, dass dieses Volk niemals wieder „Europa und die ganze Welt in Blut...

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Kategorie(n): Kultur 

  15.12.2014   14:20   Leserkommentare (im Wartemodus)

Silvis Culture Club (75): Flying plastic fantastic

Über den Wolken wird alles gut. Soarigami ist der neue Armlehnentrenner, der den Dauerstreit um die schmale Armlehne im Flugzeug beenden soll. Er verbreitert die Lehne ein bisschen und zeigt gleichzeitig unmissverständlich an, wo die Mitte ist (man merkt es sowieso am Ellenbogen, weil die Plastikkante sich in den Unterarm gräbt, wenn man zu weit nach links oder rechts rutscht). Das hat der Welt wirklich noch gefehlt! Vielleicht sollte man noch über eine umweltfreundliche Pappvariante nachdenken. Und eine Kindervariante mit Bastelset. Selbstverständlich darf auch der Luxusmarkt nicht vernachlässigt werden, wer nicht das Geld für die erste Klasse hat, hat bestimmt 100 Euro für die Kaschmirvariante. Auch beheizbare Armlehnentrenner wären eine gute Geschäftsidee. Soarigami erscheint als vernünftige Erfindung, nachdem sich die...

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Kategorie(n): Kultur  Bunte Welt 

  10.12.2014   23:56   Leserkommentare (1)

Silvis Culture Club (74): In die Berg’ bin i gern gern gern!

Berge verheißen den Menschen Aussicht (nach anstrengendem Aufstieg), sie drohen dem Übermütigen mit einer Schlucht und nur wer sich an die Regeln hält, wird in den Bergen glücklich, gar selig. Die anderen schauen sich die Berge häufig dann von unten an. Die ganz Schlauen von ganz unten, aus der Radieschenperspektive. Die Regeln der Gebirge diktiert allein die Natur, der Mensch ist hier nur Untermieter. Und hält er sich nicht an die Regeln, fliegt er raus, oder eben: runter.

Wenn Sie ein absturzsicheres, vernünftiges und imposantes Geschenk für einen Wanderer, Selfmade-Hirten oder Naturfreund suchen, hier ist es: „Sagenhafte Alpen“ (Verlag Knesebeck, 222 Seiten, 39,95 Euro). Die Texte sind zu vernachlässigen, da sie eine seltsame Mischung aus staatstragend und langweilig sind. Schreiben kann der Fotograf Bernd Römmelt...

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Kategorie(n): Kultur 

  03.12.2014   18:03   Leserkommentare (im Wartemodus)

Silvis Culture Club (73). Opa Kuckuck, was hast Du im Krieg erlebt?

Die alten Sachen da unten im Keller oder dort oben auf dem Dachboden – wer opfert einen halben Tag und sortiert Omas alte Kartons und Ur-Opas Erinnerungen aus? Es lohnt sich. Der Berliner Fotograf Martin Lengemann wurde von einer kleinen, alten Kiste inspiriert, sich auf die Spuren seines Urgroßvaters im Frankreich des Ersten Weltkriegs zu begeben. Heraus kam eine Westfront-Reportage für die „Welt am Sonntag“ und ein Abend, der am Donnerstag Berlin begeistern wird: „Die Narbe – Music from behind the Lines“. Am 4. Dezember spielt das Horenstein Ensemble (weitere Künstler des Abends: Barbara Krieger, Julien Salemkour und Manolo Palma) Musik von Komponisten, die als junge Männer der Welt ein paar exzellente Stücke schenkten, bevor sie ihren Rucksack schulterten und in den Krieg ziehen mussten. Sie kamen nie zurück.

Karten...

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Kategorie(n): Kultur 

  28.11.2014   10:59   Leserkommentare (2)

Silvis Culture Club (73). Ein Berliner Treppenhaus ist kein Ponyhof

Heute im Morgengrauen in einem Berliner Treppenhaus: Frechheit! Ich wollte die Erste sein, da steht schon ein Mann da. 7.28 Uhr. Er hat den Wettlauf um den ersten Platz im/vor dem Wartezimmer eines begehrten Arztes gewonnen. Ich lande auf Platz zwei, dabei bin ich eine Stunde vor Praxisbeginn angekommen. Normale Termine vergibt die Praxis frühestens in drei Monaten, aber jeden Donnerstag ist vormittags „Freie Sprechstunde“ für freie Menschen, die ein medizinisches Problem haben und viel Zeit mitbringen. Da ich beim ersten Mal nur 20 Minuten vor Sprechstundenbeginn eintraf und rund 35 Menschen vor mir drankamen, habe ich mich diesmal morgens gesputet.

Eigentlich hatte ich kaum Zweifel daran, dass wir offiziell zwar in einem Gutmenschenland, in Wahrheit aber in einem der sozial Unterbelichteten leben – die letzten Zweifel wurden...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  05.11.2014   22:28   Leserkommentare (1)

Silvis Culture Club (72): Die biblische Fußwaschung des Joghurtbechers - und anderer grüner Unsinn

Ich mag Menschen, die den Selbstversuch nicht scheuen. Demnach sind meine lie-ben Achse-Kollegen Michael Miersch und Dirk Maxeiner meine grünen Helden. Sie sind so schön unaufgeregt und sachlich und das tut der grünen Sache, bei der die Menschen gern in Schnappatmung verfallen, sobald sich herausstellt, dass man ihre Meinung nicht teilt, gut. Sehr gut. Man kann sogar lächeln und lachen über grüne Denkansätze und Projekte! Jetzt haben die beiden ein Buch verfasst, das so dick ist, dass man es im Notfall einem zweifelnden Gegenüber, grün oder nicht, an den Kopf knallen kann. Vorher sollte man es allerdings lesen („Alles grün und gut? - Eine Bilanz des ökologischen Denkens“, Verlag Knaus, 384 Seiten, 19,99 Euro).

Es ist ja so, dass fast jeder gern grün und bio ist und die Steigerung von all dem Blödsinn ist vegan. Das ist...

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Kategorie(n): Kultur  Wissen