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  24.10.2014   19:36   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Einundzwanzigster Oktober 1989

Kempowski notiert in seinem Tagebuch: „Krenz benimmt sich wie ein schauspielernder Arzt, der dem Patienten zuredet, es sei doch gar nicht so schlimm.“
Die „Patienten“ gehen im ganzen Land erneut auf die Straße. Allein in Plauen sind es 30.000, die für freie Wahlen, Reise- und Meinungsfreiheit demonstrieren. In der Woche vom 16. bis zum 22. Oktober muss das Ministerium für Staatssicherheit 24 Demonstrationen mit insgesamt 140.000 Teilnehmern registrieren. So etwas hat es bisher in keinem anderen sozialistischen Land gegeben.
In Berlin bildet sich eine Menschenkette vom Palast der Republik bis zum Polizeipräsidium in der Keibelstraße. Die Teilnehmer fordern die Entlassung aller am 7. und 8. Oktober in der DDR Inhaftierten. Wenig beeindruckt zeigen sich die Demonstranten von Politbüromitglied...

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Kategorie(n): Inland 

  19.10.2014   06:12   Leserkommentare (2)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Achtzehnter Oktober 1989
Die ganze Welt spricht über den Machtwechsel in der DDR. Auch andernorts hat man die zustimmende Reaktion des neuen Generalsekretärs auf das chinesische Massaker noch im Ohr. Die Erwartungen sind dementsprechend niedrig. Die westliche Presse reagiert zurückhaltend bis kritisch. Bundeskanzler Helmut Kohl und Oppositionsführer Hans-Jochen Vogel begrüßen mit eignen Erklärungen die Ablösung Honeckers und fordern schnelle Schritte zur Demokratisierung der DDR. Das will der neue Generalsekretär unter Beweis stellen. Krenz räumt ein, dass es erhebliche Störungen im Verhältnis zwischen Parteiführung und Volk gibt. Er gibt zu, dass die Wirtschaft Mängel aufweist. Er kündigt ein neues Reisegesetz an und einen „Dialog“. Allerdings mit dem Ziel, den „Sozialismus in der DDR weiter auszubauen“. Krenz ist...

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Kategorie(n): Inland 

  16.10.2014   12:36   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Siebzehnter Oktober 1989

Nach der gestrigen Erschütterung durch die Bilder von der Leipziger Demonstration folgt auf der wöchentlichen Politbürositzung für SED-Chef Honecker die nächste Katastrophe. Er wird von seinen Genossen als Parteivorsitzender und Regierungschef kurzerhand abgesetzt. Sein engster Getreuer, Willy Stoph, stellt den Abwahlantrag. Selbst Stasichef Mielke bringt Argumente vor, warum Honecker gehen muss. Da der Noch-Parteichef die Sitzung leitet, muss er am Schluss die Frage, wer dafür sei, dass der Genosse Honecker von seinen Funktionen entbunden wird, selbst stellen und hebt aus alter Gewohnheit die Hand, um Einstimmigkeit zu gewährleisten. Mit Honecker müssen auch Günter Mittag und Joachim Herrmann, der Chefredakteur des Neuen Deutschland, gehen.

Honeckers Nachfolger wird Egon Krenz. Noch am selben Abend...

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Kategorie(n): Inland 

  15.10.2014   15:32   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Fünfzehnter Oktober 1989

Die Reformwelle erfasst jetzt auch die staatstragenden Schichten der DDR. An der Humboldt-Universität wird eine unabhängige Studentenvertretung gegründet. Damit ist die Vorherrschaft der Freien Deutschen Jugend auf diesem Gebiet gebrochen. Außerdem wird bekannt, dass seit Öffnung der Grenze in Ungarn mehr als 40.000 Ausreisewillige in den Westen geflüchtet sind.

In Halle trifft sich eine Delegation des Neuen Forums mit Oberbürgermeister Eckhard Pratsch. Das Neue Forum verlangt eine Antwort auf seine Erklärung vom 12. Oktober, muss aber feststellen, dass die SED die Forderungen nach wie vor ignoriert. Der Oberbürgermeister verweist auf den illegalen Status des Neuen Forums und warnte vor weiteren Demonstrationen. Der Demokratische Aufbruch fordert in einem Offenen Brief an den Berliner...

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Kategorie(n): Inland 

  14.10.2014   11:54   Leserkommentare (7)

So schön war die DDR: Jugendwerkhof Gebesee in Thüringen

Karin war vierzehn, als in ihrer Schule das Gerücht aufkam, ihr Vater sei bei der Staatssicherheit. Die Mitschüler wandten sich ab, sie wurde fortan gemieden, als hätte sie einen ansteckenden Ausschlag. Sie schloss sich einer Gruppe älterer Jugendlicher an, die sich in Karins Heimatstadt Saalfeld regelmäßig traf. Man sang die Lieder von Wolf Biermann, las Rainer Kunze, Erich Loest und andere verbotene Schriftsteller, veranstaltete Partys und Diskussionsabende in der Kirche.

Als Karins Eltern den neuen Umgang ihrer Tochter bemerkten, versuchten sie, das Mädchen zu überzeugen, von ihren Freunden abzulassen. Vergebens. Als treue Genossen und überzeugte Unterstützer der DDR, glaubten sie, sich an die Jugendhilfe wenden zu können, um ihre Tochter auf den rechten Weg zurück zu bringen. Sie ahnten nicht, dass sie damit ihr...

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  14.10.2014   10:20   Leserkommentare (1)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Dreizehnter Oktober 1989

Partei- und Staatschef Erich Honecker gibt noch immer nicht auf. Er trifft sich mit den Chefs der „befreundeten“ Blockparteien, um sie als Verbündete für ein gewaltsames Beenden der Demonstrationen zu gewinnen. Nur einer wagt, ihm zu widersprechen. Der Vorsitzende der Liberalen (LDPD), Manfred Gerlach, hatte den Mut, Honecker ins Gesicht zu sagen, was er an diesem Tag in der LDPD-Zeitung Der Morgen bereits veröffentlicht hatte: Unter Berufung auf den sowjetischen Parteichef Gorbatschow bestritt er, dass eine „Partei im Sozialismus a priori die politische Wahrheit“ für sich reklamieren kann. Deshalb müsse es zum Dialog kommen, in den auch die Bürgerbewegung einzubeziehen sei. Für diese Worte, die freilich nicht viel mehr bedeuteten, als den Versuch Gerlachs, die Bürgerbewegung durch Integration zu...

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  12.10.2014   12:48   Leserkommentare (2)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Elfter Oktober 1989
Politbüromitglied Egon Krenz will sich als Reformer profilieren und kündigt „Vorschläge für einen attraktiven Sozialismus an“. Er hatte diese Erklärung gegen den Widerstand von Honecker durchgesetzt. Das Problem ist, dass kaum noch jemand am SED-Sozialismus interessiert ist. Die Oppositionellen und die Demonstranten wollen endlich selbst bestimmen, wie sie leben wollen. Abgesehen davon ist die Erklärung ein Beweis, dass die Genossen immer noch nichts verstanden haben. Sie gestehen einige Probleme ein, machen einige Zugeständnisse, behaupten aber, das Politbüro wüsste sich mit der „großen Mehrheit des Volkes“ in seinem Handeln einig. Der Sozialismus auf deutschem Boden stünde nicht zur Disposition.

In Berlin demonstrieren Studenten der Humboldt-Universität vor der Mensa Nord. Sie fordern eine...

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  09.10.2014   07:14   Leserkommentare (im Wartemodus)

1989 - Tagebuch der Friedlichen Revolution

Neunter Oktober 1989

Montag. Die Spannung im ganzen Land ist mit Händen zu greifen. Es gibt nur ein Thema: Wird es eine dritte Montagsdemonstration in Dresden geben und bleibt sie friedlich?

Am Morgen pünktlich um neun Uhr empfängt Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer die zwanzig Demonstranten vom Vortag. Er beginnt das Gespräch, indem er der Gruppe jegliche Legitimation abspricht. Er betrachte die Zusammenkunft lediglich als ein Bürgergespräch, wie er sie häufig führe. Demonstrationen würden auch weiterhin aufgelöst. Immerhin kündigte er an, dass alle Gefangenen, die nicht gewalttätig gewesen seien, freigelassen würden. Danach vereinbart er einen weiteren Gesprächstermin für den 16. Oktober. Die Ergebnisse sind zwar mehr als mager, es stellt sich aber heraus, dass die Tatsache, dass ein SED-Funktionär überhaupt...

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