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  23.04.2014   08:18   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Dreiundzwanzigster April 1989

In Polen veröffentlicht das Bürgerkomitee der Gewerkschaft Solidarność eine Liste mit eigenen Kandidaten für die bevorstehende Parlamentswahl. Nun wird es Ernst mit der Vielparteien-Demokratie.

In der Bundesrepublik versichert der Chef der FDP, dass ihm eine Rot-Grüne Regierung lieber sei, als ein Bündnis mit den Republikanern. Die Schönhuber-Partei, gegen die es damals einen Aufruf aller im Parlament vertretenen Parteien gab, spielt schon lange keine Rolle mehr.

Vierundzwanzigster April 1989

Am nächsten Morgen ist es das Frühstücksgespräch in den meisten Betrieben und Institutionen.
Das Neue Deutschland schreibt dagegen unverdrossen von einer „Breiten Volksaussprache in Städten und Gemeinden“ vor den Kommunalwahlen am 7. Mai.
In Westdeutschland berichtet Bild, wie Formel-1-Fahrer...

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Kategorie(n): Inland 

  20.04.2014   22:51   Leserkommentare (1)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Zwanzigster April 1989

In der UdSSR findet der zweite Wahlgang zum Kongress der Volksdeputierten statt. Zu den Kandidaten zählt auch der Friedensnobelpreisträger Andrej Sacharow. Damit endete eine der spektakulärsten Dissidentenkarrieren der Sowjetunion.
Schon als Wissenschaftler und Mitwirkender am sowjetischen Atomwaffenprogramm hatte Sacharow begonnen, sich gegen die Atomtests der Sowjetunion auszusprechen. Als er sich 1968 auch noch gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings durch die sowjetischen Truppen wandte, bekam er Berufsverbot. Danach wurde er zum bekanntesten Dissidenten der UdSSR und zum Leitbild für viele Oppositionelle in Osteuropa.

Im Jahre 1970 gründete Sacharow ein Menschenrechtskomitee und verlangte in einem Offenen Brief an die Regierung eine Demokratisierung der Sowjetunion. Sacharow kümmerte sich um...

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Kategorie(n): Inland 

  17.04.2014   09:17   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Siebzehnter April 1989

Die polnische Gewerkschaft Solidarność wird nach ihrem Verbot 1981 wieder legalisiert. Wobei es sich genau genommen nicht um eine Wiederzulassung, sondern um eine Neuzulassung handelt. Das war ein Zugeständnis an die Kommunisten, die nicht allzu deutlich eingestehen wollten, dass sie seinerzeit das Recht gebrochen hatten.

In den Medien der DDR wird dieses Ereignis nicht erwähnt. Das Neue Deutschland berichtet von „allseitiger Planerfüllung“ zu Ehren der Wahlen am 7. Mai.

Achtzehnter April 1989

In Leipzig berät die SED-Führung über den Einsatz von Kampfgruppen gegen oppositionelle Demonstranten. Sie werden für Einsätze vorgesehen, bei denen Polizei oder Staatssicherheit aus Gründen der Gesichtswahrung gegenüber dem Ausland nicht eingesetzt werden soll. Jeder Chef der Bezirksparteileitung ist...

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Kategorie(n): Inland 

  14.04.2014   08:54   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Elfter April 1989

Große Ost-West-Ost-Reisetätigkeit. Der SPD-Vorsitzende Hans-Jochen Vogel trifft in Moskau ein. Er will mit dem sowjetischen Generalsekretär Gorbatschow Gespräche zu Abrüstungsfragen führen.
Gorbatschow wird kein Wort verloren haben über die enormen materiellen Schwierigkeiten, in die das ambitionierte Hochrüstungsprogramm die Sowjetunion gebracht hat. Er verhandelt immer noch aus einer Position der Stärke heraus.

In Ostberlin wird der Generaldirektor der UNESCO im Staatsrat der DDR empfangen. Er könnte sich außerhalb des offiziellen Besuchsprogramms vom erfolgreichen „Ruinen-Schaffen ohne Waffen“ in der DDR überzeugen.
Stattdessen hört er sich brav an, was die DDR zum Erhalt der Weltkulturerbe-Stätten wie Quedlinburg tut. Wie es gleich daneben aussieht, will der UNESCO-Chef lieber nicht wissen.

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Kategorie(n): Inland 

  09.04.2014   21:43   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch der Friedlichen Revolution

Achter April 1989

Nach der Aufwartung bei Oskar Lafontaine wird der DDR-Wirtschaftsminister Günter Mittag heute von Bundeskanzler Kohl empfangen. Auch über dieses Gespräch ist nicht viel zu erfahren.

Über den wahren Zustand der DDR-Wirtschaft wird Mittag den Kanzler trotz seiner Bitte um einen Kredit sicher nicht aufgeklärt haben. Aber es wäre interessant zu wissen, welche Begründung Mittag für den Finanzbedarf der „zehntstärksten Industriemacht der Welt“ gegeben hat. Vermutlich hat er mit den „menschlichen Erleichterungen“, die sich aus dem neuen Reisegesetz ergeben haben, argumentiert.

Eines haben Kohl und Mittag garantiert nicht besprochen: die revolutionären Neuerungen, die das Polnische Parlament am Vortag verabschiedet hat. In Polen geht es nicht um auf Gutsherrenart gewährte „menschliche...

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Kategorie(n): Inland 

  06.04.2014   21:17   Leserkommentare (2)

Die zweitschönste Folge der Friedlichen Revolution

Einen passenderen, vor allem schöneren Ort für die erste Lesung meines neuen Buches, „Tagebuch der Friedlichen Revolution“ hätte ich mir nicht aussuchen können.
Das Günderodehaus in Oberwesel hoch über dem Rhein, mit dem Siebenjungfrauenblick, gäbe es ohne den Mauerfall nicht.

Am 9. November war der Regisseur Reitz, bekannt durch seine Heimat- Filme zufällig zu Dreharbeiten in Berlin. Er wies seinen Kameramann an, die Freudenszenen auf den Straßen zu filmen. Kurz darauf entstand die Idee zum Film Heimat 3.

Es sollte eine Ost-West- Geschichte werden und ihr Mittelpunkt ein altes, verfallenes Fachwerkhaus, das westdeutsche Liebende erwarben und von ostdeutschen Handwerkern zu neuem Leben erwecken ließen.

Nachdem lange kein passendes Haus gefunden werden konnte, entschlossen sich Edgar Reitz und sein Co-Autor Thomas...

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Kategorie(n): Inland  Kultur 

  06.04.2014   12:51   Leserkommentare (im Wartemodus)

Tagebuch 1989

Fünfter April 1989

In Polen unterzeichnen Regierung und Opposition als erstes Zwischenergebnis der Verhandlungen am Runden Tisch einen „Gesellschaftsvertrag“ über Reformen. Dieser Vertrag war noch nicht viel mehr, als eine erste Einigung über die Ausgangspositionen, die bisher aus Rücksicht auf die Befindlichkeiten der Kommunisten noch nicht publiziert worden waren. Das Erstaunlichste an der Entwicklung in Polen ist, wie weitsichtig die kommunistischen Machthaber auf die sich verändernden Verhältnisse reagiert haben. So wurde der Runde Tisch, an dem nach dem Vorbild der Artusschen Tafelrunde die künftigen Verhandlungen mit der Opposition auf gleicher Augenhöhe stattfinden sollten, schon im Spätsommer bei der renommierten Möbelfirma Henrykow in Auftrag gegeben.

Das Unternehmen hatte bereits Erfahrung mit besonderen...

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Kategorie(n): Inland 

  01.04.2014   15:45   Leserkommentare (2)

Tagebuch 1989

Erster April 1989

Kein Aprilscherz: Nur zwei Tage nach der Ankündigung, das Reisegesetz zu novellieren, veröffentlicht das SED-Regime eine Bestimmung, nach der zukünftig auch Ehepaare gemeinsam zu besonderen Anlässen wie runden Geburtstagen, Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen Verwandte in der Bundesrepublik besuchen dürfen. Bisher durfte immer nur ein Partner fahren. Der andere blieb sozusagen als Pfand zurück. Was dem Zurückgebliebenen angetan wurde, wenn der Ehepartner im Westen blieb, kann man sehr gut im Film „Good bye Lenin“ nachvollziehen. Die Genossin, deren Mann im Westen blieb, musste sich von ihm lossagen und unterschreiben, dass sie künftig jeden Kontakt mit dem Vater ihrer beiden Kinder ablehnen wird. Vorher muss sie aber glaubwürdig versichern, dass sie nicht die geringste Ahnung von den Plänen ihres Gatten...

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Kategorie(n): Inland